„Durchblicker“ steht auf einem T-Shirt, das es im Shop des Deutschen Röntgen Museums zu kaufen gibt. Und den Durchblick bekommt man tatsächlich bei einem Besuch dieses Museums, das Medizin, Naturwissenschaft und Technik auf unterhaltsame Weise greifbar macht. Benannt ist es nach dem Mann, der 1895 die Strahlen entdeckt hat, mit denen man durch die menschliche Haut (und durch vieles andere) hindurchschauen kann: Wilhelm Conrad Röntgen. Für Kinder gibt es sogar einen eigenen Museumsführer: Die Museumsmaus Fritz begleitet die kleinen Besucher via Audioguide oder Tablet.

Am Rande der Altstadt von Remscheid-Lennep, in einem historischen Patriziergebäude mit modernem Anbau, befindet sich das Museum, das ganz den Röntgenstrahlen, ihrer Geschichte und vor allem ihrer heutigen Bedeutung gewidmet ist. Ihr Entdecker Wilhelm Conrad Röntgen ist direkt um die Ecke geboren – sein Geburtshaus wird derzeit umgebaut und soll ab 27. März 2020, pünktlich zum 175. Geburtstag, ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

Wer ein staubtrockenes Museum mit historischen Exponaten, die stumm der Bewunderung harren, erwartet, wird positiv überrascht sein. Das Konzept lautet: selbst aktiv werden, experimentieren und sich auf die Spuren eines großen Entdeckers begeben. Multimedia-Stationen und Installationen ergänzen die Exponate aus rund 125 Jahren Wissenschaftsgeschichte und machen die Inhalte zugänglich. Das Museum ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt: Im Patriziergebäude erhält man zunächst einen Einblick in das Leben und Wirken des ersten Physik-Nobelpreisträgers – man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Im weiteren Verlauf wird der Besucher auf eine Zeitreise geführt, von ersten, teils kuriosen und riskanten Anwendungen über die Verbreitung in der Medizin bis zu aktuellen und möglichen zukünftigen Einsatzbereichen. 

Wer keines der vielen Highlights verpassen möchte, sollte sich einen Audioguide holen, den es in speziellen Varianten für verschiedenste Zielgruppen gibt – vor allem auch für Kinder. Gemeinsam mit LILIPUZ von WDR 5 hat das Museum eine Führung für Kinder entwickelt, eine Art Minihörspiel, das die kleinen Gäste motivieren soll, auf Entdeckungsreise zu gehen: „Es gibt die Museumsmaus Fritz und ihren Freund Camillo, der von drüben aus der Pizzeria kommt und eigentlich keine Lust hat, durch das Museum zu gehen, weil er nur an Käse interessiert ist. Der Fritz versucht ihn zu überreden, sich einfach mal auf diese Dinge einzulassen. Und dann taucht auch der Geist von Herrn Röntgen immer wieder auf und sagt etwas“, erläutert Museumsdirektor Dr. Uwe Busch. 

Ein spezielles Angebot für Schulklassen sind die ­BIPARCOURS-Touren: „Da kann man mit einem Tablet bewaffnet selbstständig auf Touren gehen, muss knifflige Fragen beantworten, und wenn man alles richtig gemacht hat, bekommt man zum Schluss auch ein Lösungswort heraus, mit dem es eine nette Überraschung gibt“, erklärt Dr. Uwe Busch. Im kommenden Jahr soll es diese Touren auch für Familien geben. Eine weitere Möglichkeit, seinen Forscherdrang auszuleben, ist das Schülerröntgenlabor – im nächsten Jahr soll es hier neben Angeboten für Schulen auch Kurse der Junior Uni Wuppertal geben. Dann ist da noch der Mini-Club: Besonders neugierige Röntgen-Fans im Alter von 10 bis 15 Jahren werden über ein Jahr lang zu Museumsführern ausgebildet und geben dann in eigenen Führungen ihr Wissen an gleichaltrige Nachwuchsforscher weiter – vielleicht die Nobelpreisträger von morgen?

Warum gibt sich das Museum solche Mühe, Inhalte gerade für Kinder zugänglich zu machen? Das hat auch mit einer Sorge um den künftigen Forschernachwuchs zu tun, so Dr. Busch. Durch die institutionalisierte Bildung mit starren Lehrplänen versäumten es manche Schulen, ihre Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern, obwohl doch gerade in Kindern eine natürliche Neugierde schlummert. Diese Lücke will das Museum schließen – und das Thema Röntgenstrahlung sei prädestiniert dafür: „Strahlung ist ja etwas, was nicht antik ist, sondern was immer weiterentwickelt wird, wo momentan viele innovative Dinge passieren – sei es in der Medizin, in der Werkstoffprüfung oder in der Astronomie.“

Wer Naturwissenschaften und Technik auf unterhaltsame und spielerische Weise erleben möchte, ist im Deutschen Röntgen-Museum genau richtig.

Text Heiko Laßlitz      FOTOS Deutsches Röntgen Museum

Weitere Infos
Deutsches Röntgen-Museum
Schwelmer Straße 41
42897 Remscheid

Telefon 0 21 91 16-33 84
info@roentgenmuseum.de
www.roentgenmusem.de

Dienstags bis sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro (ermäßigt 3 Euro), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Immer sonntags um 15:00 Uhr startet eine rund 60-minütige Führung, die für Erwachsene 5 Euro (ermäßigt 3 Euro) und für Kinder nur 1 Euro kostet – Teilnahme ohne Anmeldung möglich.