Seit Kurzem können kleine (und große) Nachwuchsastronomen aus dem Bergischen Land in die Röhre gucken. Das Solinger Galileum ist ein modernes Planetarium mit eingebauter Sternwarte – und schon jetzt ein echter Publikumsmagnet. Übrigens: Wem Sterne schnuppe sind, der bekommt trotzdem etwas geboten ­– Musik, Ausstellungen und Kultur.

Galileum: Blick unter die Kuppel

Weißt du, wie viel Sternlein stehen? So fragt es ein bekanntes deutsches Volkslied – ohne allerdings eine Antwort zu liefern. Die haben die Macher des Solinger Galileums vermutlich auch nicht parat, dafür wissen sie aber sehr genau, wie viele Besucher in die einzigartige Kombination aus Sternwarte und Planetarium kommen sollten, damit die Sache sich lohnt. Gut 35.000 Hobby­astronomen und Sternenfreunde pro Jahr erwarten die Betreiber der Anlage. Anfang Juli ist sie in einem, seit 2009 nicht mehr genutzten Kugelgasbehälter der Stadtwerke eröffnet worden und hat das Zeug, sich zu einem echten Besuchermagneten im Bergischen Land zu entwickeln. Die knallig-kräftige blaue Farbe der Kuppel mit ihren zwölf Metern Durchmesser ist jedenfalls ein echter Hingucker im Stadtteil Ohligs.

Apropos Gucken: Benannt ist Solingens jüngste Errungenschaft nach dem Naturforscher Galileo Galilei, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Vorläufer des heutigen Teleskops erfunden hatte und damit gewissermaßen auch den Blick in, oder, besser, durch die Röhre. Ein Teleskop mit einer Brennweite von 3.910 Millimetern auf dem Dach ist deshalb auch das Herzstück der Solinger Station. Für Besucher ist die Sternwarte zwar nicht jederzeit geöffnet, sie können aber im Anschluss an ausgewählte Veranstaltungen einen Blick riskieren – nur bei gutem Wetter, versteht sich!

Ein wolkenloser Himmel ist für einen Besuch des Planetariums immerhin nicht notwendig, dort wirft ein zentraler Projektor Sternbilder an die Kuppelwand. An die 8.500 Sterne gibt er wieder, die 21 hellsten strahlen sogar in originalgetreuer Farbe. Hinzu kommen spezielle Projektoren für die Sonne, den Mond, besondere Nebel und für die Planeten. Die Innenkugel – sie hat einen Durchmesser von rund 26 Metern – dient als 180-Grad-Rundum-Bildschirm, eine Spezialsoftware namens „Sky Explorer“ ermöglicht spektakuläre Reisen durch – tja, tatsächlich Raum und Zeit.

Astronautentraining: Viel Spaß hatten kleine Besucher am Stand der BERGISCHEN

Mission Raketenstart: Von der Kniebeuge in den Strecksprung

Das Planetarium kann die Besucher an jeden Ort der Erde und zu jedem beliebigen Zeitpunkt versetzen. Betrachter können sich beispielsweise den Himmel zum Zeitpunkt ihrer Geburt anschauen. Oder zur Zeit der ersten Menschen. Oder zur Zeit der Dinosaurier. 

„Zeigen – Begeistern – Vermitteln“ lautet das Motto der Solinger Sternengucker. Dahinter verbirgt sich die ­Walter-Horn-Gesellschaft, Mitglieder des Vereins hatten vor mittlerweile mehr als 13 Jahren die Idee für das Galileum-Projekt. Baubeginn war nach Jahren der Planung und des Spendensammelns dann vor ziemlich genau drei Jahren im September 2016. Gut 8,5 Millionen Euro hat das Projekt nach Angaben der ehrenamtlichen Betreiber bisher gekostet, den größten Batzen hat das Land Nordrhein-Westfalen zugeschossen. Das Galileum Solingen wird von vielen größeren und kleineren Spendern und Sponsoren unterstützt. Dazu zählt auch die ­BERGISCHE, die für kleine und groß gewordene Sternengucker bei der feierlichen Eröffnung des Galileums Anfang Juli ein Astronautentraining organisiert hatte.

Um Astronauten geht es auch im aktuellen Programm des Galileums, das immer für die kommenden 30 Tage auf der Homepage des Planetariums einzusehen ist. Für Kinder – in der Regel ab dem Grundschulalter – gibt es ein spezielles Angebot. Das Galileum soll sich, so ist es geplant, als regional bedeutsamer, außerschulischer Lernort etablieren, ähnlich wie die Wuppertaler Junior Uni (siehe Seite 14/15) und das Röntgen-­Museum in Remscheid. Auch regelmäßige Ausstellungen sind in Ohligs im Angebot.

Übrigens: Wem Sterne schnuppe sind, der schaut dennoch nicht in die Röhre. Denn auch Konzerte und andere Kulturveranstaltungen werden live unter die blaue Kuppel übertragen. Und wer seiner/seinem Liebsten die Sterne vom Himmel holen möchte, der kann ab dem kommenden Jahr im Galileum heiraten. Aber bitte nicht abheben!

Planetarium
Häufig werden die Begriffe Sternwarte und Planetarium synonym verwendet, aber das ist falsch. Von einer Sternwarte aus, auch astronomisches Observatorium genannt, werden Sterne beobachtet. In einem Planetarium hingegen wird der Nachthimmel meist mithilfe eines oder mehrerer Projektoren auf die Innenseite einer Kuppel projiziert. Das Wort Planetarium bedeutet übersetzt etwa so viel wie Planetenmaschine.

Weitere Infos
Der Eintritt ins Galileum und/oder zu Vorträgen kostet 9 Euro, erm. 6 Euro. Das Familienticket gibt es für 24 Euro, Karten für Musik- und Kulturveranstaltungen für 15 bis 18 Euro. Wer die Tickets online kauft, braucht keine langen Schlangen vor der Kasse zu fürchten. 

Regelmäßige Öffnungszeiten gibt es nicht, geöffnet ist das Galileum aber immer während der Veranstaltungen. Das Programm umfasst mehr als 15 Shows pro Woche und reicht von klassischen Astroshows über Kinderprogramme bis hin zu Musikshows. Termine und Anfangszeiten stehen jeweils im Internet. Anfahrt: Walter-Horn-Straße 1,
42697 Solingen. www.galileum-solingen.de

Text Olaf Steinacker     Fotos Stefan Lemanski, Alf Dahl