Für eine klinische Studie werden betroffene Frauen mit Lipödemen der Beine gesucht, bei denen es unter der Standardbehandlung nicht zu einer ausreichenden Beschwerdelinderung gekommen ist. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat diese Studie in Auftrag gegeben, in der ab Anfang des Jahres 2020 die Liposuktion (operative Fettabsaugung) mit der nichtoperativen Standardbehandlung des Lipödems verglichen werden soll. Die Kosten der Liposuktion werden im Rahmen der Erprobungsstudie von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Ob Sie an der Studie teilnehmen können, entscheiden die Studienärzte nach der Untersuchung. Grundlage der Entscheidung sind die medizinischen Bedingungen des Studienprotokolls. Die Studie wird voraussichtlich an zehn Studienzentren (Kliniken oder Praxen) in Deutschland durchgeführt werden, etwa 450 Frauen können teilnehmen.

Falls Sie Interesse an einer Teilnahme haben, können Sie dies vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2019 unter www.erprobung-liposuktion.de bekunden. 

Diese wird von einer Servicegesellschaft im Auftrag aller Krankenkassen betrieben. Wenn Sie keinen Internetzugang haben, sendet Ihnen die BERGISCHE ein Formular zu, das Sie auf dem Postweg an die Servicegesellschaft zurücksenden können.

Sollten mehr Interessentinnen als Studien­plätze vorhanden sein, wird ein Losverfahren durchgeführt. Die ermittelten Frauen werden dann durch das ihrem Wohnort am nächsten liegende Studienzentrum zu einem Untersuchungstermin eingeladen. Jede Interessentin kann nur eine Interessenbekundung abgeben.

Was ist ein Lipödem?

Beim Lipödem handelt es sich um eine schmerzhafte, symmetrische, übermäßige Fettgewebsvermehrung an Armen oder Beinen. Das Lipödem tritt nahezu ausschließlich bei Frauen auf. Typisch ist eine Neigung zu Hämatomen („blauen Flecken“) auch bei kleinen Verletzungen. Zusätzlich können vermehrte Wassereinlagerungen in den betroffenen Regionen bestehen.

Behandlungsmethoden

Die Standardbehandlung ist die sogenannte komplexe physikalische Endstauungstherapie. Sie besteht aus der Anwendung von Lymphdrainage, Kompression durch spezielle Strümpfe und Bewegungstherapie. Seit einigen Jahren bieten Ärzte auch die chirurgische Absaugung des Fettgewebes an den betroffenen Körperpartien an. Bisher ist diese Liposuktion keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, weil es keinen wissenschaftlich hochwertigen Beleg dafür gibt, dass die Liposuktion besser wirksam ist als die konservative Standardbehandlung. Man kann nicht mit Sicherheit sagen, ob die Frauen durch die Operation nachhaltig von ihren Beschwerden befreit werden. Dazu müssen die beiden Verfahren an zwei Gruppen von Patientinnen direkt miteinander verglichen werden. Die Datenlage zur langfristigen Sicherheit der Liposuktion beim Lipödem ist ebenfalls noch unzureichend. So ist nicht auszuschließen, dass nach der Liposuktion Fettgewebe nachwächst oder dass der Eingriff im Unterhaut-Bindegewebe zu Narbenbildungen führt, die den Lymphabfluss behindern. Diese Fragestellungen sollen in der Studie untersucht werden. 

Weitere Infos zur Studienteilnahme:
www.erprobung-liposuktion.de 

Text Heike Ambaum